Zukunft des Lagers Friedland - Rede am 11.10.2006 im Landtag
13. Oktober 2006 0 KommentareAnrede,
an den Anfang stelle ich, dass wir vorbehaltlos zustimmen, das historische Gebäude auf dem Gelände des Lagers Friedland als Gedenkstätte zu sichern und zu erhalten!
Dass die Zuzugszahlen von Spätaussiedlern auf einem zahlenmäßig niedrigem Niveau sind, ist 60 Jahre nach Kriegsende normal.
Aber noch immer leben ca. 800.000 Deutschstämmige in Russland und Kasachstan. Das zurzeit immer weniger aussiedeln, liegt an der positiven Entwicklung der dortigen Lebensverhältnisse.
Sollten sich diese aber wieder umdrehen, werden von Heute auf Morgen all diejenigen, die bereits einen gültigen Aufnahmeschein besitzen, sich in den Bus Richtung Friedland setzen. Darum ist wirtschaftlich betrachtet, eine zentrale Aufnahmestelle sinnvoller, als in 16 Bundesländer 16 neue Aufnahmestellen zu schaffen.
Grundsätzlich halten wir eine dezentrale Unterbringung von Spätaussiedlern für eine erfolgreiche Integration, befürworten aber nach einem Besuch des Lagers Friedland, mit ausführlichen Informationen und Gesprächen, einen befristeten Versuch, zentrale 6-monatige Integrationskurse durchzuführen.
Allerdings betonen wir, dass schon jetzt der Aufenthalt in Friedland eine freiwillige Entscheidung der Betroffenen ist.
Um diese 6-monatigen Integrationskurse erfolgreich werden zu lassen, bedarf es aber noch einiger weiterer Maßnahmen:
Baulich müssen die Räume so verändert werden, dass sie den typischen Lagercharakter verlieren, wohnlicher gestaltet werden, besonders unter Berücksichtigung der Unterbringung von Familien.
Die Mobilität zu den umliegenden Dörfern bzw. zur Stadt Göttingen muss sichergestellt sein, durch Bahn, Bus oder Fahrrad.
Von hoher Wichtigkeit ist auch, in dieser Zeit die Anerkennung von mitgebrachten Schul-, Studien- und Berufsabschlüssen. Sowie gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote die evtl. erst zu einem Berufsabschluss führen.
All diese Maßnahmen sind wichtig und richtig. Sind ein guter Schritt, um in sechs Monaten bessere Startmöglichkeiten zu erwerben. Sie ersetzen aber nicht die Integration vor Ort. In den Gemeinden und Städten, in denen die Spätaussiedler ihre neue Heimat, ihre Zukunft aufbauen wollen.
Darum fordern wir, dass die dezentralen Mittel für Integrationsarbeit nicht gekürzt werden, sondern im vollen Umfang weiter zur Verfügung stehen. Denn die vor Ort seit Jahrzehnten bestehenden Netzwerke sind auch bei einer zunächst zentralen Unterbringung weiterhin nötig. Denn die eigentliche Integration in Schule, Arbeit Gesellschaft und Nachbarschaft beginnt erst beim Ankommen in der neuen zukünftigen Heimatgemeinde. Diese erfolgreiche Netzwerkarbeit für Spätaussiedler/innen ist am Anfang auch ein mögliches und nötiges Auffangnetz.
Wir unterstützen die Beschlussempfehlung des Ausschusses, weil wir davon ausgehen, dass die Mehrheitsfraktionen ebenfalls dem Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zustimmen, der unterstützende Maßnahmen vorschlägt, damit dieses Projekt erfolgreich wird.
Einiges davon hat der Innenminister in seiner Presseerklärung vom 21.8.06 bereits zugesagt.
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